Drachenbau

Endlich!

Eigentlich wollten wir schon Ende letzter Woche Drachen bauen – und sind leider vor lauter anderer Aktivitäten nicht dazu gekommen …

Aber heute konnten wir es endlich anpacken. Und wir hatten ein Riesenglück:
Ein paar junge afghanischen Männer am Platz haben sich als leidenschaftliche und begabte Drachenbauer herausgestellt!

Ich kann Dir schon sagen, was wir gebraucht haben. Nicht viel.
Aber das „wie“ ist das Entscheidende!
Man konnte sehen, dass die jungen Männer das nicht zum ersten Mal gemacht haben. Jeder Handgriff wirkte sehr geübt und kunstvoll. Schön anzusehen.

Und das war das Verblüffende: Selbstverständlich wollen Kinder immer „selber machen“. Aber auch sie waren so fasziniert von den professionellen Handgriffen, den kleinen Showeinlagen und den Drachen-Fach-Diskussionen der jungen Männer, dass sie, trotz Kälte, gespannt und geduldig das einnehmende Spektakel verfolgt haben.

Sehr gut hat mir dabei gefallen, dass die Jungs immer daran gedacht haben, kleine Hilfsarbeiten an das neugierige Publikum zu delegieren, um den Spannungsfaden nie abreißen zu lassen.

Groß war bei allen die Freude, als M. noch die Idee hatte, unsere mitgebrachte Pünktchen-Plastiktüte zu zerlegen, damit der Drachen noch Augen und ein paar Verzierungen bekommt.

„Ohhhh! Unser Drachen hat so schöne Augen!!! Schau mal, wie er schaut!“

Nur blöd, dass am Ende nicht das leiseste Lüftchen geweht hat. Die Drachen-Profis haben ihr kleines Kunstwerk zwar dennoch irgendwie zum Fliegen gebracht. Aber damit auch wir ihn steigen lassen können, müssen wir wohl wieder etwas Geduld haben und auf Aufwind warten!

MATERIAL & WERKZEUG

  • Ein BAMBUSSTAB, aus unserem Hochbeet, nach der Tomatenernte für heuer ausgedient.
  • Er wurde mit einem TASCHENMESSER in dünne Stäbe gespalten.Die Stäbe wurden anschließend mit dem Messer bearbeitet, geschnitzt und immer wieder auf ihre optimale Biegsamkeit hin geprüft.
  • Praktisch ist eine GARTENSCHERE zum Kürzen der Stäbe.
  • Eine alte blaue GEMÜSE-PLASTIKTÜTE.
  • Natürlich eine SCHERE.
  • BINDFADEN, den wir von S. aus einer Haushaltsauflösung bekommen haben. Der wurde zum Befestigen der Platiktüte an den beiden über Kreuz gelegten Stäben benötigt.
  • Eine weitere Pünktchen-PLASTIKTÜTE für Augen, Flügel und Schwanz unseres Drachen.
  • KLEBER um die gerade erwähnten Verzierungen anzubringen.
  • DRACHENSCHNUR.

Übrigens:
Der Trick für eine gute Form und die Flugfähigkeit des Drachen ist wohl, dass die Querstange kürzer als die Breite des Drachen ist und der Drachen somit eine gewisse Spannung erhält.

Für den Rest würde ich sagen: Übung, Übung, Übung!

Inzwischen weiß ich auch, dass Drachen in Afghanistan eine große Rolle spielen. Wie bei uns im Herbst, aber auch im Winter, lassen Kinder und Erwachsene Drachen steigen. Seinen Höhepunkt findet die Drachenbausaison jedoch zum traditionellen Neujahrsfest „Nauroz“, das in Afghanistan zum Frühlingsanfang am 20. bzw. 21. März seit ca. 3.000 Jahren mit Drachenwettbewerben- und kämpfen gefeiert wird.
Drachen, als Fabeltiere, gelten hier seit jeher als Glücksbringer und Zeichen für Fruchtbarkeit.

Und wer noch mehr darüber wissen will, der schaut hier nach oder liest am besten den Roman Drachenläufer des afghanisch-amerikanischen Schriftstellers Khaled Hosseini. Mache ich jetzt auch.

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