BOLANI

Afghanische Küche

Heute wollen zwei Mütter für uns kochen:
Afghanische Teigtaschen mit einer Kartoffel-Kräuterfüllung.

Letzte Woche haben wir uns zusammengesetzt und mit Hilfe der Kinder den Einkaufszettel geschrieben.
Was macht man bei Sprachbarrieren? Man umschreibt! Das reinste Gehirnjogging. Zum Beispiel:

„… das braucht man für Brot backen …“
„Aaah, Du meinst wahrscheinlich Mehl. Es ist ganz weiß und wie ein Pulver.“
„Ja, ja … Mehl!“

Mit meinen Einkäufen klopfe ich an. Die beiden Pappkisten werden inspiziert und für gut befunden. Ich habe also wirklich alles richtig verstanden.

Die eine Mama gibt uns die Kräuter mit, damit wir sie mit den Kindern klein schneiden. Sie selbst kümmert sich gleich um die Kartoffeln. Draußen vor der Türe. Die Küche ist im Moment etwas überbevölkert. Andere Bewohner kochen für ein Geburtstagsfest groß auf. Es riecht köstlich …

Ich besuche die beiden Frauen in der Küche, um zu assistieren.

Sie haben bereits einen elastischen Hefeteig und die Kartoffel-Füllung zubereitet.

Die Improvisationskunst der beiden berührt mich. Ein großes Nudelbrett für den Teig gibt es natürlich nicht. Also wird einfach eine große Mülltüte aufgeschnitten und als Unterlage verwendet. Irgendwoher haben sie altes Druckerpapier von der Rolle. Es dient als Küchenrollen-Ersatz zum Entfetten der Teigtaschen. Schlau gemacht!

Jetzt wird der Hefeteig portioniert, zu Kugeln gerollt und anschließend rund geformt. Mit den Händen und dem Nudelholz. Mein Versuch ist ein bisschen kläglich: Um die Fladen so flink flach und dünn hinzbekommen, werde ich wohl noch eine Weile üben müssen. Die Fladen fliegen nur so zwischen ihren Händen hin und her, werden zack-zack-zack über dem Handrücken in die Länge und Breite gezogen …

Wenigstens beim Füllen kann ich helfen. Dachte ich. Die Teigplatten zur Hälfte gleichmäßig bestreichen, umklappen und ein bisschen festdrücken reicht nicht: Der Rand muss natürlich gut verschlossen werden, bevor die Teigtaschen in die Pfanne dürfen!

Der Stapel auf dem mit Papier ausgelegten Tablett wird immer höher, die Kinder immer ungeduldiger und die Vorfreude immer größer.

BOLANI – afghanische Teigtaschen mit Kartoffel-Kräuterfüllung

Zutaten für 4 Personen

Für die Kartoffel-Kräuter-Füllung:

5 große, mehligkochende Kartoffeln
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Bund Dill
Salz
Pfeffer
Paprika
1-2 EL Sonnenblumenöl

Für den Hefeteig:

1/2 kg Mehl
1/4 Würfel frische Hefe
1 gute Prise Salz
125 ml lauwarmes Wasser
2 EL Sonnenblumenöl

Zum Braten:

Sonnenblumenöl

Zubereitung:

Die Kartoffeln waschen und kochen.

Inzwischen den Hefeteig zubereiten.
Hierfür das Mehl in eine Schüssel sieben und mit der Hand in die Mitte eine kleine Mulde drücken.

Inzwischen weiß ich, dass die beiden Männer der Frauen zu Hause in Afghanistan Fliesenleger und Tür- und Fensterbauer waren. Die eine Frau war daheim bei den drei Kindern. Die andere hat als Kosmetikerin gearbeitet. Das fehlt ihr, aber ihr Deutsch ist zu schlecht. In den letzten Deutschkurs ist sie nicht hineingekommen. Ich merke, wie sehr sie sich bemüht, so viele Wörter wie möglich zu lernen …

Außerdem würde sie mir gerne die Haare an den Wagen entfernen. Mit einem Faden. Das wäre doch viel schöner, wenn die Haut ganz glatt ist. Mal sehen, ob ich mich auf dieses Abenteuer einlasse …

Mit einem Berg von „Bolani“ beladen gehen wir zu unserem Tipi. Die Kollegen haben schon ein gemütliches Feuer gemacht und die Tische gerichtet. Ein schönes Foto ist nicht mehr möglich, so schnell verschwinden die duftenden Taschen in den Kinderhänden …

Schade. Ich habe vergessen, was „Guten Appetit“ auf farsi heißt, bzw. ob man sich diesen in Afghanistan vor dem Essen auch wünscht. Das werde ich nachholen! Versprochen.

Dann, lasst es euch einstweilen schmecken!

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